Suchen

Radsport

Chris Weise im Kaunertal wieder erfolgreich

2. Platz für Soli Radler

Der „Kaunertaler Gletscherkaiser“, ein Bergmarathon mit 1887 Höhenmetern auf 41 Kilometern, entwickelt sich für Bergfloh Chris Weise von der Soli Dachau immer mehr zur Lieblingsstrecke. Am vergangenen Sonntag konnte er seinen 3. Platz vom Vorjahr sogar noch steigern. Er belegte in seiner Klasse den 2. Platz.

Die Verhältnisse waren in diesem Jahr aber alles andere als ideal, es war nasskalt und ab dem Gepatschstausee auf 2100 Meter Höhe begann es sogar zu schneien. Am Ziel war das Thermometer unter die null Grad Marke gefallen.

Doch die Bedingungen waren ja für alle dieselben. Für Chris Weise, der in diesem Jahr vom MTB auf das Rennrad umgestiegen war, lief es recht gut. „Ich bin noch bis 4 Kehren unterhalb des Stausees an den Lizenzfahrern drangeblieben, musste dann aber abreißen lassen. Dieses Tempo konnte ich nicht mehr mitgehen. Die Profis sind die Kehren bei ca. 14-16% Steigung mit bis zu 20 km/h hinaufgeflogen“ berichtet er.

Mit einer Zeit von 2:08:32 hatte Chris am Ende zwar einen Rückstand von knapp 20 Minuten auf den Gesamtsieger Hans Peter Obwaller, doch dieser radelte ja in einer ganz anderen Liga. Er ist Profi und belegte bei der Österreichrundfahrt 2001 den zweiten Platz.

Soli Fahrer Chris Weise freute sich über seinem 2. Platz in der Klasse Rennrad Hobby 2 riesig vor allem da die Konkurrenz beim „Kaunertaler Gletscherkaiser“ auf dem Rennrad um einiges größer ist als bei den Mountainbikern.

Paris – Roubaix
Soli Dachau in der Hölle des Nordens

Nachdem schon fast alle Alpenpässe erklommen sind bleibt einem eigentlich nur noch eine Herausforderung und das ist die Radtouristik-Variante von Paris – Roubaix, die alle zwei Jahre auf der Original Profi-Strecke ausgetragen wird, d.h. 255 km mit nicht weniger als 49,8 km über herrlichstem und zum Teil denkmalgeschützen Pflastersteinstrecken.
Werner und ich dachten, dass unsere Räder mittlerweile schon alt genug, aber noch nicht zu alt sind, um dies ihnen zuzumuten und meldeten uns schon im März bei der Veranstaltung an.


Während Werner beharrlich auf seinem wunderbar poppigen Wheeler-Stahlrenner vertraute, nutze ich die Gelegenheit des Arbeitsplatzwechsels mir einen Crosser zuzulegen. 28er Reifen bieten wohl doch mehr Komfort als 25er.

Zu allem Ungemach wurde Werner kurz vor der Anfahrt von einem Hexenschuß nieder gestreckt, so dass ich schon geneigt war, meinen Wagen in ein rollendes Lazarett um zu bauen. Aber Werner war fest davon überzeugt, dass die Schüttelei seinem Kreuz nur gut tun könne.

So machten wir uns am Feitag auf die Fahrt nach Roubaix. Der Ort selbst hat seine Glanzzeit wohl vor 120 Jahren erlebt. Heutzutage bietet der Ort kaum etwas, um länger zu verweilen, auch die Gastronomie ist eher belgischsSpartanisch/fettig als französisch.
Wir nutzen den Freitag für einen kleinen Rundgang und haben natürlich auch das berühmte Velodrom besichtigt. Im Lokal des Roubaix Radclubs konnten wir dann die Ruhmeshalle von Paris-Roubaix bestaunen, in die wir uns am Sonntag gerne einreihen wollten.

Am Sonntag hieß es aber erst einmal zeitig aufstehen. Der Wecker klingelte um 0:30, damit wir den Bus zum Start rechtzeitig erreichten. Abfahrt war gegen 2 Uhr und Ankunft in Carbonne (dem Startort) so gegen 4:30 Uhr. Kaffeetrinken, Croissant, Startkarte stempeln und ab gings frohen Mutes auf die Strecke.
Dabei sind die ersten 85 km ohne jegliche Schwierigkeit und ohne Kopfsteinpflaster auf äußerst verkehrsarmen Straßen zügig zu schaffen, so dass wir schon nach ca 2,5 Stunden in Bohain ankamen. Kurz danach wartete dann das erste Pave auf uns. Doch von Kopfsteinpflaster war nichts zu sehen. In den Vortagen hatte es, auch noch am Samstag, heftig geregnet, so dass das Kopfsteinpflaster vollkommen von einer dichten Schlammschicht bedeckt war. Beste Steuerkunst war gefragt, um nicht aus zu rutschen. Aber wir waren ja nicht alleine auf der Strecke, so dass höllisch aufgepasst werden musste, was der Vordermann so macht.  Bleibt er oben?
Erstaunlich wie viele mit sündhaft teuren Carbonrennern und Laufrädern sich auf die Fahrt machten. Diese hatten aber schon nach wenigen Metern auf der Kopfstein-Schlammstrecke erhebliche Probleme, verstopfte doch der Schlamm den Zwischenraum zwischen Reifen und Bremskörper, so dass viele nur noch schiebend weiter kamen.


Werner machte dies alles gar nichts aus und fuhr auf diesem ersten Stück allen davon. Da brauchte ich schon bis zum dritten Pave, bis ich genügend Mut fand, um dann zügiger an den anderen vorbei zu fahren.
Bis zur nächsten Kontrolle in Solemes waren 4 Paves von ähnlichen Bedingungen zu bewältigen. Dort hatte Werner schon etwas Probleme ob seines Rückens vom Rad zu kommen, aber er war immer noch frohen Mutes. Das sollte sich bei der nächsten Kontrolle in Arenberg nach 160 km jedoch gewaltig ändern. Werner war von der Schüttellei mittlerweile so gehandicapt, dass er kaum noch vom Rad kam. Er tat das beste was man machen konnte und brach die Tour ab. Er wurde dann von einer besonders freundlichen Begleittruppe bis nach Roubaix im Auto mitgenommen.
 
In Arensburg lag die Kontrolle in einem alten Kraftwerk aus dem vorigen Jahrhundert. Offenbar waren auch die Sanitäreinrichtungen der Kumpels seit dieser Zeit nicht mehr sehr gepflegt worden. Kurz danach kam dann eines der berüchtigsten Paves „der Wald von Arensberg“. Man fährt von der Zeche los uns sieht vor sich einen dichten Fichtenwald, in dem ein schwarz-grünes Loch von ca 30 Meter breite klafft. Je näher man kommt, desto mehr sieht man, dass es sich um eine schnurrgerade Schneise von ca 1 km handelt. An der linken Seite liegt das Kopfsteinpflaster, während an der rechten Seite ein Schotterweg entlang führt. Bei den Profis gibt es keine Wahl, sie müssen über das Kopfstein, bei uns Touristikern hat man freie Auswahl. Aber wenn man schon 10 € Startgeld zahlt, dann gibt es nur eins: Kopfstein. Und das hat es wirklich in sich. Während man bei den meisten Paves in der Mitte ein relativ ruhiges ca 20 cm Stück zum Radeln findet, ist der Wald von Arensburg brutal. Die Kopfsteine ragen wild und kreuz und quer dem Laufrad entgegen. Man wird hin und her geschüttelt und die größte Schwierigkeit ist, die Hände am Lenker zu halten. Verdächtig knallte meine Hinterradfelge öfters auf Stein, aber das Ende rückte langsam aber Stück für Stück näher. Am Ende dann ein Pulk von Schaulustigen und ab gings – ohne Platten – auf Teer, was für eine Wohltat.
Mittlerweile machte das Pave-Fahren richtig Spaß. Während die meisten sich in der Mitte entlangquälten, konnte ich mit meinem Komfortcrosser an allen vorbei ziehen. Das hatte nur den Nachteil, dass man immer das denkbar schlechteste Teil der Paves nehmen musste.

Nach Arensburg reihte sich nun Pave ab Pave. Ca alle 5 km kam wieder ein Stück von 2 bis 3 km Länge. Wobei die nächste  richtige Herausforderung das fast 7 km lange Stück Carrefour l’Arbre mit wunderbar unregelmäßigem Kopfsteinpflaster auf uns wartete. Mittlerweile war aber die Sonne richtig heraus gekommen, so dass der Schlamm schon abgetrocknet war, und die Passagen wesentlich einfacher zu bewältigen waren.

Von da waren es nur noch 20 km bis Roubaix und es schon ein erhabenes Gefühl in Velodrome die Schlussrunde zu drehen.
Insgesamt eine tolle Veranstaltung auf äußerst verkehrsarmen geschichtsträchtigen Wegen, wobei man Respekt vor den Leistungen der Profis (mit oder ohne EPO) bekommt.
 

„Temps de chien“ oder der Salzburger Schnürlregen in Radstadt,

 Adrian Brugger, Rainer Stadler und Thomas Struck „finishen“ den Amade Radmarathon

„Temps de chien“ - So ein Hundewetter, Marc der Wallone, im Trikot des Beligischen Landesmeister, spricht das aus was Rainer, ich, und viele andere, in diesem Moment denken. 14 Tage kein Tropfen und pünktlich eine viertel Stunde vor dem Start des Amade Radmarathon beginnt der grosse Regen. Der Wetterbericht war nicht wirklich ermutigend,  deshalb sind viele der ursprünglich 2500 gemeldeten auch zu Hause geblieben. Am Ende werden nicht mal 900 Teilnehmer auf beiden Strecken (98km und 176) das Ziel erreichen.

Der Plan war es die 176 km und 2500 Höhenmeter in 5:30 zu bewältigen und damit schneller zu sein als letztes Jahr. Der Salzburger Schnürlregen zwingt uns zu Plan B. Plan B lautet: Nur keinen Stress und mit heilen Knochen ankommen, Zeit - egal.

Nach dem Start geht es sofort in einen giftigen Anstieg nach Forstau und dann zur Ramsau auf knapp 1200m hoch. In einem Sturzbach kommt uns in den Anstiegen das Wasser entgegen. Richtig eklig wird es aber in der Abfahrt. Kurzer Schreckmoment. Im Pulk kann ich einem gusseisernen, in die Strasse eingelassenen Deckel nicht ausweichen, das Hinterrad versetzt, ich bleib aber im Sattel. Kaum legt sich mein Adrenalinspiegel wieder, fahre ich auf einen Fahrer mit Vollkarbonlaufrädern auf der sichtlich zu kämpfen hat. „Und? Wie bremst sich’s bei dir?“ frage ich, er antwortet: „ÜBERHAUPTNICHT“. Lightweight Genration3 Laufräder sind bei solch einem Wetter so sinnhaft wie eine Badehose auf dem Mond.

 
Puls, Geschwindigkeit und Profil

In der Gruppe fahren erscheint uns zu gefährlich. Durch das Spritzwasser ist die Sicht im Pulk gleich Null und die Gefahr eines Massensturz ist uns der Windschatten der Gruppe nun wirklich nicht wert. Wir fahren zu zweit weiter und schliessen uns bewusst keiner Gruppe an. Nach der ersten Labe verzweigt sich die Strecke in 98km – und die 176km Route. Es regnet nur noch leicht, deshalb biegen wir rechts auf die lange Strecke ab. Die meisten tun es uns nicht gleich und machen sich auf den kürzeren weg zurück nach Radstadt. Prompt beginnt es gleich wieder stärker zu regnen. Aber nässer als wir sind geht eh nicht mehr: „Is eh scho ois wurschd“ meint Rainer und lacht. Wir fahren ungefähr eine Stunde ohne einen anderen Fahrer zu sehen. An der zweiten Labe sind noch Berge von Semmeln und Obst zu haben. Die wenigen Teilnehmer machen sich auch im Proviantumsatz bemerkbar. Nach der zweiten Labe verbünden wir uns mit Marc, unserem neuen belgischen Freund. Zu dritt fahren wir weiter und erreichen mit der Hälfte der Strecke den tiefsten Punkt der Route. Adrian wird zu diesem Zeitpunkt gerade das Ziel erreichen. Unsere kleine Dreiergruppe rollt gut bis in den letzten Anstieg.

 

Auf den letzten Kilometern beginnt es noch einmal richtig zu  Schütten. Nicht desto trotz machen wir jetzt noch einmal druck und fahren noch auf den einen oder andern auf, der sich dann uns rann klemmt. Unsere Strategie bleibt aber immer vorne zu fahren bis ins Ziel.

Nach über 6 Stunden sind wir im Ziel. Plan B hat funktioniert: Alle Knochen sind heil, Platzierung und Zeit sind zweitrangig. Es zählt nur noch die warme Dusche. Zuhause werde ich dann feststellen, dass ich einen Satz Bremsbeläge „verheizt“ habe und Rahmen meines Renner einen halben Liter Wasser getankt hat.

In ein paar Wochen wenn die Vergangenheit unsere Erinnerung verklärt hat werden uns an 176 wunderbare Kilometer im Regen erinnern… und nächstes Jahr kommen wir natürlich wieder.


Jörg Kurzke ist den Raid Provence Extreme gefahren (600 km und 9.000 Höhenmeter).

Am 11. Mai fand in Saint Remy de Provence zum 5ten mal das Raid Provence Extreme statt. Diese Veranstaltung findet nach den Regeln der UMCA (Ultra Marathon Cycling Association) statt, d.h. es gelten besondere Regeln, wie z.B. das Verbot des Windschattenfahrens, permanete Kontrollen, ob sich die Fahrer auf der Route befinden (Standzeiten von mehr als 30 Minuten außerhalb der Kontrollstellen müssen gemeldet werden). Das besondere am RPE ist, dass es als eine der ganz wenigen Veranstaltungen auch für Radler ohne Begleitfahrzeug offen ist.

Der Name besagt schon, dass es sich wohl um eine eher anspruchvolle Aufgabe handelt, sind doch auf 600 km nicht weniger als 9.000 Höhenmeter zu überwinden. Daher kann auch nicht jeder teilnehmen, sondern der Veranstalter erteilt erst dann eine der 80 Startberechtigungen, wenn man nachweisen konnte, dass man schon andere Langstrecken-Brevets in guten Zeiten absolviert hat.
 
Der Großteil der Teilnehmer der diesjährigen Austragung waren dann auch die „Ultras“ mit Begleitfahrzeug, wovon der wohl prominenteste Franz Vernier aus Österreich war (Finnischer RAAM, Weltrekordhalter mit 1116 km in 24 h etc.), dagegen fiel das Starterfeld der „Grand Randonneurs“ mit 9 eher bescheiden aus.

Ich ging natürlich als Grand Randonneur an den Start, der um 8:30 Uhr, drei Stunden vor den Ultras, beide Gruppen hatten aber die gleiche Strecke zu absolvieren. Zunächst ging es neutralisiert bis zum Fuß des Mount Ventoux in Bedoin, wo dann der offizielle Start mit Zeitname erfolgte. Dort gab es zunächst eine kleine Enttäuschung, denn die laut 20Streckenplan vorgesehene Abfahrt vom Mount Ventoux nach Maulancene war erdrutschbedingt für jeglichen Verkehr gesperrt. So ging es also nicht ganz bis zum Gipfel des Ventoux, sondern ca. 3 km davor, nachdem die steilsten Passagen erklommen waren fuhr man direkt zum ersten Kontrollpunkt nach Aurel hinab. Beim Aufstieg stellte sich sehr schnell heraus, dass das Rennen der Grand Randonneurs sich wohl zu einem Zweikampf ausarten würde Cosmas Lang (Mainz) flog den Berg mit einem Tempo so hinauf, das ich mir sagte, wenn du da mitgehst, dann überlebst du keine 100 km. Mit noch etwas schweren Beinen von der Fleche folgte ich ihm, ohne aber ganz den Sichtkontakt zu verlieren. Irgendwie muß er dann aber so schnell gewesen sein, dass er eine Abzweigung verpasste, was ihm unterwegs noch mehrmals passierte, so dass ich als erster in Aurel ankam. Nach kurzem Wassernachfüllen – ich kann mir gar nicht vorstellen wie viel Wasser  die Profis im Juli in sich hineinschütten, wenn die Temperaturen noch höher sind – ging es dann weiter nach Valensole.
Eigentlich sollte das ein eher gemütlicher Streckenabschnitt werden, da kaum nennenswerte Steigungen zu erklimmen waren. Aber wie kann man sich täuschen: Nicht die Hügel waren schwierig, sondern der unbarmherzig blasende Wind, der permanent so stark wehte, dass man selbst bei 3-4%igen Abfahrten kräftig in die Pedale treten musste um überhaupt fort zu kommen. Der Wind sollte dann auch bis zum Wendepunkt bei km 311 der stärkste Gegner sein. Auf diesem Streckenabschnitt war ich schon kurz davor mich in einem Hotel ein zu mieten und so lange zu warten bis der Wind endlich nachließ, aber irgendwie schafft man es dann doch, zumal die Streckenführung eine wahre Augenweide war, vorbei an noch nicht blühenden Lavendelfeldern, auf kleinsten Straßen ohne Autoverkehr mit herrlichsten Ausblicken. Um 16:00 Uhr war dann endlich Valensole erreicht und weiter gings über Moustiers zum Ausgang des Grand Canyon um dort die Umfahrung dieser tollen Schlucht zu beginnen. Der nächste Kontrollpunkt lag dann schon hoch oben über der Verdon in Aiguines.
Dort war es dann auch, wo mich Cosmas wieder einholte.
Die anfängliche Enttäuschung über die Sperrung der Abfahrt vom Mount Ventoux wandelte sich dann in Freude, so war es nämlich möglich fast die gesamte Strecke um den Grand Canyon bei Tageslicht zu fahren, ein einzigartiges Erlebnis und das überraschender weise fast ohne störenden Autoverkehr. Die Straße von Aiguines schlängelt sich mehr auf- als abwärts mit atemberaubenden Tiefblicken immer am Schluchtenhang entlang. Zunächst gelang es Cosmas sich wieder etwas ab zu setzen, aber gleichmäßiger Randonneurs-Tritt ist auch nicht ohne.

Nach der Überquerung der Pont du Soleil ging es dann noch mal 8 km mit 10% die Route de Crete hinauf. Aber nicht der Aufstieg war das Anstrengenste, sondern die Abfahrt. Mit 11% ging es in der Dämmerung bergab und das auf einer so von Schlaglöchern nur übersäten Straße, dass ich schon befürchtete, mein Fahrrad würde jeden Augenblick in seine Einzelteile zerfallen.
Cosmas zeigte im Anstieg erste Schwächen und musste auch mal pausieren, so dass ich in der nächsten Kontrolle in La Palud du Verdon wieder als erster gegen 22:00 Uhr eintraf.

Es begann eine wunderbare sternenklare Halbmondnacht. Der Wind hatte sich zwar nun gelegt, blies aber doch spürbar nun in den Rücken. So ging es dann schnell den Grand Canyon auf verwinkelter Straße zurück nach Moustiers um dann über eine eher leichte Erhebung wieder nach Valensole zu gelangen.

Von Valensole ging es erstmals wieder bergab, aber nun stellten sich auf den letzten 150 km noch 6 lange Rampen in den Weg. Um 3:00 Uhr war dann Cereste erreicht. Hier traf ich dann zeitgleich mit den ersten Ultras ein.
Franz Vernier brauchte dort gar nicht vom Rad steigen, seine Begleitcrew eilte selbst zum Kontrollstand, nahm sich das Logbuch und hielt es ihm zum unterschreiben auf den Lenker. Nach nicht ganz einer Minute war er schon wieder weg. Da braucht man als Randonneur doch etwas länger und ist auch froh darüber, sich wenigstens mal mit den Helfern unterhalten zu können.
In Verniers Windschatten kam auch Cosmas wieder herangeeilt, der wohl wieder zu alten Kraft zurück gefunden hatte und zog dann direkt am nächsten Berg davon.
Nach zwei schönen langen Anstiegen mit Steigungen um die 8% kam dann eine wirkliche Herausforderung, der Roque Antheron. Der hat zwar nur 275 Höhenmeter, wird aber mit einer Durchschnittssteigung von 18% angegeben. Das schmale Sträßchen windet sich zunächst an einem Bach entlang und nach einer Kurve fiel mein Herz in die Hosentasche, die Straße schien senkrecht hinauf zu gehen. Da war trotz 34 Blatt und 26er Ritzel mein Hirn zum weiterfahren nicht zu bewegen. Zum Glück konnte ich noch absteigen und mit den Moutainbike Schuhen lässt sich gut schieben. Diese Passage hatte über 500 m 28%! Die letzten Meter waren dann mit 20% wieder gemütlich und konnten gefahren werden. Oben an der Kontrolle kam Cosmas wieder herangefahren (wo war er nur hergeradelt). Er hatte es besonders eilig und stürmte nach geleisteter Unterschrift sofort weiter.
Bis zur nächsten Kontrolle waren es nur noch 40 km und nur eine Erhebung. Das war schnell geschafft und oh Wunder, dort traf ich wieder vor Cosmas ein, und das nur 70 km und zwei Anstiege vor dem Ziel!
Jetzt packte mich der Ehrgeiz. Nur Unterschrift, tiefe Lenkerhaltung und so schnell es ging ab nach Saint Remy.
Wenn man seine Kräfte einteilt, dann kann man zum Ende noch richtig Gas geben und so konnte ich den letzten Streckenabschnitt noch mit einem 31er Schnitt bewältigen und traf nach 22 Stunden und 8 Minuten wieder in Saint Remy ein.
 
Ein wunderbarer Brevet, bestens organisiert, auf kleinsten verkehrsarmen Straßen bei – vom Wind mal abgesehen - schönstem Wetter war zuende.
Bei den Grand Randonneuren war ich erster geworden, im Gesamtklassement immerhin 7ter.