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Zunächst stand die Einschreibung und Fahrradkontrolle am Samstag an, bei der vor allen Dingen die Beleuchtung und Sicherheitskleidung überprüft wird.  Allein die Einschreibung ist schon eine Reise nach Paris wert, sieht man doch die exotischten Rennräder aus aller Welt.  Ein Teilnehmer hatte sogar aus historischen Teilen ein Rad zusammengebaut, das fast dem des ersten Siegers von PBP entsprach.

Zur Bewältigung der großen Teilnehmerzahl gibt es unterschiedliche Startzeiten. Im Prinzip wurde ab Sonntag, dem 21. August ab 16:00 Uhr alle halbe Stunde eine Gruppe auf die Reise geschickt. Werner hatte sich für den Start um 18:30 eingetragen, während Jörg am Montag um 5:30 losfahren sollte.

Der Abendstart hatte es allerdings in sich: bei Temperaturen über 30°C mussten die Starter fast drei Stunden in der sengenden Hitze ausharren bis endlich der Fahrtwind Kühlung brachte. Zunächst wird das Starterfeld aus der Büro-/Schlafstadt Saint Quentin en Yvellines eskortiert . Die ersten Kilometer sind immer besonders kritisch, reiht sich doch ein Kreisverkehr an den anderen, während besonders motivierte Starter schon hier zum Schlußspurt ansetzen. Kein Wunder, dass auf den ersten Kilometern traditionell sich viele Kollisionen und Stürze ereignen.

Nach ca. 10 Kilometer hat man aber diese Trabantenstadt mit neuperlacher Flair hinter sich gebracht und rollt schon entspannter hügelauf- und abwärts durch die Wälder und Felder von Ramboullet. Die Streckenführung ist dabei so gewählt, dass man die gesamte Tour auf sehr verkehrsarmen Straßen zurücklegt. Die Autofahrer scheinen auch vorgewarnt zu sein, da sie stets  vorsichtig und nie hupend an den Randonneuren vorbeifahren. Einziger Nachteil der Straßen ist deren Belag, dieser ist sehr rau und nicht der beste, so dass jedes Nickerchen auf dem Rad bestraft wird.

typischer schlafplatzAlle 80 bis 100 km hat man eine Kontrollstelle anzufahren, bei der die Ankunftszeit in das Brevetbuch eingetragen wird, um zu dokumentieren, dass man auch die Strecke gefahren ist. An jeder Kontrollstelle gibt es auch immer die Möglichkeit einen Schlafplatz zu nehmen, sofern noch nicht alle besetzt sind, zu duschen oder Essen zu kaufen. Bewundernswert ist dabei der Einsatz der Freiwilligen (insgesamt über 1.500!). Die Kontrollstellen sind ja im Durchschnitt 4 Tage zu betreuen, das heißt für die Helfer Schichtdienst rund um die Uhr! Wer aber trotzdem zwischen den Kontrollstellen Hunger oder Durst verspürt wird nicht allein gelassen, tagsüber bieten Boulangerien und Cafes alles was das Herz begehrt und Nachts organisieren die Anwohner der Dörfer freie Verpflegungsstellen, bei denen man vom Wein bis zum Crepes fast alles bekommt und das meistens umsonst.

Diese Verpflegungsstellen machen sowieso den besonderen Reiz von PBP aus. Ungezählt sind die Leute die mitten in der Nacht, auch bei Regen an der Straße stehen und den Randonneuren applaudieren und „Bon Courage“ hinterherrufen. Trotzdem gibt es immer wieder Engpässe bei den Schlafplätzen und Verpflegungen, besonders je näher man Brest kommt, da hier diejenigen die schon auf dem Rückweg sind, sich mit den noch nach Brest radelnden alles teilen müssen.

So nimmt jeder den Schlafplatz, den er findet. Man schläft auf dem Boden in den Gängen unter den Tischen des Restaurants oder sonst wo. Von Schlaf kann dabei aber in den wenigsten Fällen die Rede sein, man liegt halt mal und muß nicht trampeln. In weiser Voraussicht hatte sich Werner deshalb ca. 200 km vor Brest ein Zimmer in einer Pension gemietet und schlief dort ungestört 3 Stunden.

Um Mitternacht ging’s dann weiter, aber schon nach wenigen Kilometern wurde Werner von einem regelrechten Unwetter/Gewitter erwischt. Was für ein Glück, dass er auf einem verlassenen Bauernhof einen alten durchgerosteten R4 fand, dessen Türen auch noch offen waren. Drei Stunden harrte so Werner in dem R4 aus bis das Gewitter sich endlich verzogen hatte.

Diese Nacht hatte es aber insgesamt in sich. Während die Sonntagsstarter weitgehend trocken bis Brest kamen, wurden die Montagstarter praktisch auf der gesamten Strecke von Paris bis Brest von teilweise heftigen Gewittern begleitet. Ein Glück nur, dass der Wind während der Gewitter stetig kräftig in Richtung Westen blies. Kurz vor Brest war dann aber Ende mit den Gewittern und im Altlantiknebel fuhr man in die Hauptstadt der Bretagne ein.

Spätestens in Brest wird geduscht, frische Wäsche angezogen und zurück geht’s nach Paris. Was für ein Wunder, dass mit der Strecke nun auch der Wind gedreht hatte. Der permanent günstige Wind war auch der Grund, warum fast jeder Teilnehmer seine Bestzeiten toppen konnte.

werner vor und nach_650Bei der Rückfahrt von Brest hinauf zum Roc Trevazel erblickte Jörg dann Werner’s Soli Hose, der noch nach Brest bergab sauste. Ein kurzer Gruß und schon war die Begegnung vorbei. Während Werner seine zweite Schlafpause wieder in seinem gebuchten Zimmer nahm, fuhr Jörg noch bis Villaines la Juhel (ca. 200 km vor Paris), um dort seine erste und einzige  Schlafpause von 20 Minuten einzulegen.

Villaines ist einer der schönsten Kontrollorte der Tour, feiert hier doch die ganze Stadt die Randonneure mit regionaler Musik (Dudelsack!), Trachtengruppen und jede Menge Applaus.

Die restlichen Kilometer ziehen sich dann nochmal gehörig, geht es doch permanent bergab/ bergauf. Längere flache Passagen sucht man vergeblich. An den letzten giftigen Steigungen (>12%) vor Paris  wird man dann noch kräftig angefeuert, bevor man die letzten Kilometer bis zum Ziel rollt bzw. an den zahlreichen Ampeln steht. Aber die stören dann schon gar nicht mehr und kurz darauf biegt man in den Kreisverkehr Les Sangliers ein und hat das Ziel erreicht: Applaus, Stempel, Bier, was will man mehr!

Was nimmt man mit von solch einer Radtour? Ziemlich müde und schwere Beine (treppab geht’s immer noch a bissl schwer), eine gereizte Achillessehne und unendliches Schlafbedürfnis sowie viele Eindrücke wie z.B. die 9-köpfige phillipinische Frauenradgruppe auf Ihren 46er Rahmen mit pinkfarbenen Reifen. Mit wem man auch sprach, (geht nur in Englisch bei ca. 50 teilnehmenden Nationen) - Freude. Dies alles erleben zu können und die Gewissheit, in vier Jahren wieder mal nach Brest und zurück radeln zu wollen, bis zum 80ten hat man ja noch ein paar Jahre.